Rallye-Tagebuch Tag 15

22. Mai 2010

Next stop: Totes Meer. Hotels und Tankstellen gibt es wie Salz am Meer, aber leider nur auf der israelischen Seite. So müssen wir unser heutiges Nachtlager im überaus "günstigen" 4-Sterne-Hotel "Dead Sea Spa" aufschlagen.(Handtuch-Leihgebühr, selbst für Übernachtungsgäste: 3€) Einzig das üppige Frühstücksbuffet und der unerwartet kostenlose Zugang zum Meer entschädigt uns ein wenig. Es erwartet uns, ganz wie erwartet: Reinlegen und - ohne untergehen zu können - Zeitung lesen. Wir laufen zur Höchstform auf, als wir uns in perfekter Synchronschwimmer-Manier zum Stern einfinden. Alle bis jetzt noch nicht weggeätzten Hautunreinheiten, werden mit Salz-Schlammpackungen beseitigt. Glatt wie ein Kinderpopo - wieder alles richtig gemacht!

Wir nähern uns nahezu unbemerkt der israelischen Grenze auf 2,5 Meter, als wir begleitet von anderen Pilgern und einem Aufpasserich - besagte Stelle des Jordan aufsuchen, an der einst Johannes der Täufer seine Wirkungsstätte gehabt haben soll. Einen Heiligenschein können wir nicht entdecken, doch aber eine Erscheinung in Form Joe Kellys. Oder seines ebenso viel schwafelnden, verschollenen amerikanischen Bruders, der sich im Jordan taufen lässt.
Die großen Strassen meidend, erklimmen unsere Gemsen jeden Pfad zu zwar kargen, aber wunderschönen Plätzen in Naturschutzgebieten, die zum "Middaach" einladen. Lecker!
Der Location-Scout hat's, wie immer, richtig gemacht! - Wie auch sonst?
Zur Abfahrt noch schnell ein Paar Kinder glücklich gemacht, indem wir einige unserer, immer noch reichlich vorhanden, Kinderbespaßungsbeutel verteilen.
Zum Abend schlägt der Scout fast etwas über die Strenge und bringt uns, im vom Reiseführer ausgewiesenen "besten libanesischen Restaurant ganz Jordaniens", die erste kurze Krise, ob der zu erwartenden Rechnung.
Aber nix - trotz des erhöhten Pinguin-Aufkommens und des sich, auf ganzer Linie, bestätigenden Ruf des "Lebanese House" in Jerash - kaum teurer als sonst. Durch die Schlemmerei verpassen wir unser angestrebtes Ziel - 18:00h in Amman - nur um 3,5h und checken ein ins Hotel zur undefinierbaren Frau.

Amman enttäuscht dann aber doch. Erwartungen, die an die Altstadt Damaskus' mit ihren alten Souks und verwinkelten Gassen geknüpft waren, werden enttäuscht. Mit unpersönlichen Bauwerken, die lieblos in die Hügel geworfen wurden, kann man eben auch keinen Schönheitspreis gewinnen. Dies können auch die wenigen antiken Bauten nicht aufwerten.

Gerade noch eben rechtzeitig entdecken wir im Roadbook die terminelle Abgabeeinschränkung für unsere Autos und fahren um 13:30h auf dem Parkplatz des Regency Palace vor.
Hier stehen nun alle Streitwagen, die es bis hierher geschafft haben, einträchtig nebeneinander und warten auf den Abdecker. Nur  schweren Herzens und mit zwanghaft zurück gehaltenen Tränen, reißen wir uns von unseren treuen Gefährten los und übergeben sie dem WFP. In shallah!

Um die Treue mal etwas zu veranschaulichen, und uns zu bestätigen, daß wir auch bei der Fahrzeugwahl alles richtig gemacht haben, hier eine Auflistung der wenigen Schäden auf ziemlich exakt 6500 Kilometern von Frankfurt nach Amman.

  • lose Zündkerze des Kombis in Bulgarien
  • nur eine Reifenpanne pro Auto
  • maroder und tropfender Benzinschlauch des Kombis in Syrien
  • ein in der Wüste abgerissener Endtopf des Rovers in Jordanien
  • nicht ein Milliliter nachgefülltes Öl
  • gleiches gilt für Kühlwasser, bis zum Rover Schaden
  • die Kupplung der Limousine verweigerte bis zuletzt ihr endgültiges Versagen

Hier sei auch noch explizit auf die unerklärliche Selbstheilung des Kühlerlochs im Rover hingewiesen!

Alles richtig gemacht, geht's zur letzten Challenge: Die Abschlussfeier und Siegerehrung im Royal Automobilemuseum.
Hier erwartet uns, zum Beginn um exakt 19:00h, eine bereits begonnene Veranstaltung mit Musikercorps und Tanztruppe der jordanische Armee, hauptsächlich ausgeklügelten Reden des OKs in deutscher, englischer und arabischer Sprache und einem, viel zu spät beginnenden Buffet für über 500, in den Startlöchern scharrenden, hungrigen Teilnehmern.
Bier gibt es leider keins, denn zur Auszeichnungsverleihung sind ranghohe jordanische Persönlichkeiten aus Königshaus, Hilfsorganisationen, Polizei und Armee anwesend. Öffentlicher Alkoholkonsum ist verboten,
und offizieller geht's wohl kaum!
Zunächst in einer jordanischen Upper-Class-Tisch-Gruppe platziert, werden wir an einen anderen direkt neben der Bühne komplimentiert, um Bekanntschaft mit den Fähigkeiten des Tonmeisters zu machen. Alle Regler gen Unendlich gedreht, legt der erste Dudelsackton uns gleichmal den Regler unseres Hörvermögens gen Null.
Am Buffet bringt das Vorteile, denn man hört die Proteste beim Vordrängeln nicht.
Leider ist das Buffet auf Massenkompatibilität ausgelegt, denn alles wurde schon besser gewürzt gegessen.

Da unsere Einstellung nie danach ausgerichtet war, hier Erster werden zu müssen, konnten wir am Ende auch - trotz etwas undurchsichtiger Bewertungskriterien - die Entscheidung des OKs akzeptieren.

Der undankbarste Platz im Leben eines Sportlers - knapp-vorbei-ist-zwar-auch-daneben-aber-"Dabei ist alles!"-und-wir-durften-soviel-kennenlernen-an-unserer-Teamfähigkeit-arbeiten-und-haben-sowohl-Maschine-heil-hin-wie-Mensch-heil-
zurück-gebracht - und deshalb feiern wir mit Euch unseren spektakulären 4.Platz!

Erstmal nur virtuell, aber doch dann auch persönlich bei dem sicher bald folgenden Nachbereitungs-und Informationsabend mit Impressionen von unserem Abenteuer.

Den Termin werden wir frühzeitig bekannt geben und freuen uns auf Euch.

Andre, Andreas, Falk, Frank, Mattias und Sebastian

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2 Antworten to “Rallye-Tagebuch Tag 15”

  1. barbara day Says:

    super,4. platz, freue mich fuer euch,die tante aus gelnhausen glueckwunsch

  2. Anke Says:

    Herzlichen Glückwunsch ihr Tapferen!!
    Hoffe der Heimweg ist weniger aufregend für Euch.
    HG


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